Viele SaaS scheitern nicht an Features, sondern daran, dass Nutzer nicht wissen, wie sie sich darin richtig verhalten sollen.

Pen&Paper Spielleiter lösen genau dieses Problem seit Jahrzehnten: Sie bauen Welten, in denen Entscheidungen sicher, sinnvoll und naheliegend sind.

Warum dieses Denken dein Produkt klarer, vertrauenswürdiger und damit kaufbarer macht, zeigt dieser Artikel.

Wenn die Welt keine Regeln hat, spielen Menschen defensiv

Jeder gute Spielleiter kennt diesen Moment.
Die Gruppe sitzt am Tisch, die Karte liegt offen, die Optionen sind zahlreich und trotzdem passiert nichts. Niemand ist unmotiviert. Niemand ist überfordert. Aber jeder wartet.

Ein erfahrener Spielleiter weiß: Das Problem liegt nicht bei den Spielern.
Und es liegt auch nicht an der Quest.

Es liegt daran, dass die Spielwelt selbst noch nicht klar genug definiert ist.

Spielleiter sind in diesem Sinne keine Erzähler, sondern Produktdesigner.
Die Spielwelt ist ihr Produkt.
Und ihr Job ist es nicht, die Spieler zu lenken, sondern eine Welt zu bauen, in der Handeln naheliegend wird.

Denn bevor ein Spieler eine Entscheidung trifft, prüft er unbewusst etwas anderes: Wie funktioniert diese Welt eigentlich?

  • Dürfen Risiken eingegangen werden, oder sind sie tödlich?
  • Sind Fehler Teil der Geschichte, oder werden sie bestraft?
  • Wird mutiges Vorgehen belohnt, oder ist Vorsicht die einzig sichere Strategie?

Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, verhalten sich Spieler rational.
Sie sichern sich ab.
Sie testen vorsichtig.
Sie handeln defensiv.

Nicht, weil sie schlecht spielen, sondern weil die Welt ihnen noch nicht erlaubt, gut zu spielen.

Genau das passiert auch in deinem Produkt

Als Solo-Tech-Founder bist du in einer ähnlichen Rolle.
Du hast eine Welt gebaut: deine App. Du kennst jede Ecke, jede Regel, jede Abkürzung. Für dich ist klar, was sinnvoll ist und was nicht.

Für den Nutzer ist das anders.

Er betritt dein Produkt wie eine neue Spielwelt – ohne Regelbuch.
Er weiß nicht, welche Entscheidungen hier sicher sind.
Er weiß nicht, wann etwas „gut gespielt“ ist.
Also verhält er sich, wie Spieler es immer tun, wenn sie unsicher sind: vorsichtig.

Vorsicht fühlt sich rational an.
Aber Vorsicht zahlt nicht.

Menschen handeln nicht nach Wahrheit, sondern nach Weltannahmen

Früher glaubten Menschen, die Erde sei eine Scheibe.
Am Rand wartete der Abgrund. Also segelte man nicht weiter, als es sich sicher anfühlte.

Heute wissen wir, dass die Erde eine Kugel ist.
Kein Rand. Kein Abgrund. Bewegung fühlt sich erlaubt an.

Die Welt selbst hat sich nicht verändert.
Nur das Modell, nach dem sie bewertet wird.

Als Spielleiter ist dir das intuitiv klar:
Wenn Spieler glauben, dass ein Fehler sie aus dem Spiel wirft, spielen sie langsam.
Wenn sie wissen, dass Fehler Teil der Geschichte sind, spielen sie mutig.

Dein SaaS setzt auch Spielregeln – ob du willst oder nicht

Jedes Produkt kommuniziert unausgesprochen,

  • was hier als richtig gilt
  • was als Fehler zählt
  • und wie hart Fehltritte bestraft werden

Wenn du diese Regeln nicht klar setzt, füllen Nutzer die Lücken selbst.
Und sie tun das fast immer pessimistisch.

Sie gehen davon aus, dass:

  • falsche Klicks schaden könnten
  • Entscheidungen Konsequenzen haben
  • Zurückhaltung sicherer ist als Vorwärtsgehen

Nicht, weil sie dein Produkt schlecht finden.
Sondern weil ihr Gehirn Risiken vermeiden will, solange die Weltlogik unklar ist.

Daniel Kahneman beschreibt genau diesen Zustand:
Wenn Regeln fehlen, schaltet das Gehirn vom schnellen, spielerischen Handeln in anstrengendes Abwägen. Entscheidungen werden schwer. Bewegung stockt.

Als Spielleiter würdest du das niemals zulassen

Kein guter DM würde sagen:
„Macht einfach irgendwas, ihr könnt alles.“

Er würde sagen:

  • In dieser Welt funktionieren diese Dinge.
  • Diese Wege existieren nicht.
  • So wird hier entschieden.

Nicht um zu kontrollieren, sondern um Spielbarkeit zu erzeugen.

Steve Jobs hat genau das verstanden.
Er hat Produkte gebaut wie Spielwelten mit klarer Physik. Man musste sie nicht erklären, weil man spürte, wie sie gespielt werden wollten.

Der stille Verlust entsteht, solange du die Welt nicht definierst

Solange dein Produkt keine klare Weltannahme vermittelt, passiert Folgendes:

  • Nutzer bleiben im Testmodus
  • Entscheidungen werden vertagt
  • Vertrauen entsteht nicht

Das kostet dich nicht sofort Kunden.
Aber es kostet dich Aktivierung, Nutzungstiefe und am Ende MRR.

Nicht-Handeln deiner Nutzer ist kein Zufall.
Es ist die logische Konsequenz einer Welt ohne klare Regeln.

Als Spielleiter weißt du:
Wenn die Welt unklar ist, spielen Menschen nicht schlecht – sie spielen vorsichtig.

Und Vorsicht ist der teuerste Spielstil im SaaS.

Die eigentliche Verantwortung des Founders

Du bist nicht dafür verantwortlich, jede Entscheidung deiner Nutzer abzunehmen.
Aber du bist dafür verantwortlich, die Welt so zu definieren, dass Entscheidungen sicher möglich sind.

Manchmal braucht es kein neues Feature.
Kein besseres Onboarding.
Keinen stärkeren Funnel.

Manchmal braucht es nur eine klare Antwort auf die Frage:

Was für eine Art Welt ist das hier – und was ist sie nicht?

Ab dem Moment spielen Menschen wieder mit.
Und nur wer spielt, zahlt.